Dresdens ehemaliger Oberbürgermeister Herbert Wagner
(CDU) kritisiert die Gegner der im Bau befindlichen
Waldschlößchenbrücke.
Dresden (ddp-lsc)

Dresdens ehemaliger Oberbürgermeister Herbert Wagner
(CDU) kritisiert die Gegner der im Bau befindlichen
Waldschlößchenbrücke. "Es müsste doch eigentlich ein Beben
durch die Gesellschaft gehen, wenn Bürger den sächsischen
Ministerpräsidenten und die neue Dresdner
Oberbürgermeisterin lautstark zum Rechtsbruch auffordern",
sagte Wagner, der am Sonntag seinen 60. Geburtstag feiert,
der Nachrichtenagentur ddp in Dresden.
Nach seiner Auffassung hätte der Bürgerentscheid vom
Februar 2005 für die Brücke längst umgesetzt werden müssen.
Es gehe nicht an, das Votum in Frage zu stellen und
Baustopp zu fordern. "Wenn die politisch Verantwortlichen
einmal anfangen, Recht und Gesetz zu brechen, dann ist von
diesem Dammbruch der Weg in die Diktaturfalle kurz", warnte
Wagner.
Der Streit um den Brückenbau wird derzeit noch juristisch
geführt. Die Gegner des Bauprojekts streben einen neuen
Bürgerentscheid an und berufen sich unter anderem darauf,
dass die dreijährige Bindefrist der Abstimmung seit Februar
2008 abgelaufen ist. Wagner wirft ihnen indes vor, eine
"Kette von Kompromissen» in der Vergangenheit, zu denen er
schon 1994 die Erarbeitung des Verkehrskonzeptes zählte, zu
missachten. Wer etwa auch den Brücken-Wettbewerb mit
gelobten Ergebnissen von 1997 ignoriere, der sei «selbst
nicht zu Kompromissen fähig", sagte Wagner.
Wagner berät derzeit innerhalb einer aus Wissenschaftlern
und Zeitzeugen bestehenden Expertenkommission die
sächsische Staatskanzlei bei der Vorbereitung des
Doppeljubiläums «20 Jahre friedliche Revolution und
Deutsche Einheit». Der promovierte Informatiker war von den
Dresdnern 1990 zum Oberbürgermeister gewählt worden. Im
Sommer 2001 scheiterte seine zweite Wiederwahl an einem
Bündnis, das von der damaligen PDS über die Grünen bis zur
SPD reichte und den FDP-Politiker Ingolf Roßberg
unterstützte. Inzwischen führt die CDU-Politikerin Helma
Orosz (CDU) die Dresdner Amtsgeschäfte.
ddp/til/fgr |