ICOMOS hat Dresdner Brückenstreit zu verantworten
Mücke: „Herr Petzet hat die Orientierung völlig verloren
oder sollte sich einfach besser informieren!“
(Dresden/25.08.2008) Zur Forderung nach einem sofortigen
Baustopp und dem Bau eines Elbtunnels von Seiten des
Präsidenten des internationalen Denkmalrates ICOMOS,
Professor Michael Petzet, anlässlich seines Besuchs auf der
Baustelle der Dresdner Waldschlößchenbrücke erklärt
FDP-Fraktionschef Jan Mücke:
„Herr Petzet hat offenbar die Orientierung völlig verloren
oder sollte sich einfach besser informieren! Es waren seine
eigenen Gutachter von ICOMOS, die Dresden seinerzeit die
Vereinbarkeit von Welterbestatus und Bau der Brücke
bescheinigt hatten. „Sie ist schlank ausgebildet und liegt
tief, um die massive Wirkung in der Landschaft zu
reduzieren“, war deren zustimmendes Urteil zur Brücke im
Gutachten für die Titelverleihung. Und es war ICOMOS, die
die Brücke in diesem Gutachten - wider besseren Wissens -
falsch verortet hatte.
Im Übrigen hätte Dresden nie einen Antrag auf Aufnahme in
die Welterbeliste gestellt, wenn der Bau der Brücke durch
ICOMOS nicht als „welterbekonform“ beurteilt worden wäre.
Dies jetzt zu ignorieren und Dresden die Schuld in die
Schuhe zu schieben, ist der Gipfel und soll nur von den
eigenen Fehlern ablenken. Statt zu belehren, sollte sich
Herr Petzet bei den Dresdnerinnen und Dresdnern für die
schlampige Arbeitsweise seiner Organisation entschuldigen
und darauf hinwirken, dass die UNESCO erst nach
Fertigstellung der Brücke eine endgültige Entscheidung
fällt.“
Zu dem geforderten sofortigen Baustopp und dem Bau eines
Tunnels erklärte Mücke:
„Vielleicht gilt dies nicht für ICOMOS und auch nicht für
die Mehrzahl der Mitgliedsstaaten der UNESCO, aber wir
haben hier in Deutschland eine Demokratie und ganz nebenbei
auch noch ein paar Gesetze zu beachten. Zudem wird Geld bei
uns nicht in der Mittagspause am Kopierer vervielfältigt,
sondern muss hart erarbeitet werden. Wir können es uns
nicht leisten, heute mal 40 Mio. EUR zu investieren und
wenn Herr Petzet seine Meinung plötzlich ändert, alles
wieder wegzureisen. Ein Tunnel wäre verkehrspolitischer
Unfug, würde 100 Mio. EUR an Mehrkosten verursachen, die
Stadt müsste pro Jahr 600.000 EUR zusätzlich für Wartung
und Instandhaltung ausgeben und die prinzipielle
Genehmigungsfähigkeit eines Tunnels ist zudem fraglich.
Wenn Herr Petzet beklagt, „die UNESCO fühlt sich nicht
ernst genommen“, so kann dies durchaus daran liegen, dass
man die UNESCO wegen ihrer schlampigen Arbeitsweise und
ihrer abwegigen Forderungen offensichtlich auch nicht mehr
ernst nehmen kann.“
Thomas Felsner
Fraktionsgeschäftsführer
Landeshauptstadt Dresden
FDP-Fraktion im Stadtrat |