UNESCO verschiebt Aberkennung des Welterbetitels
erneut. Mücke: „Die UNESCO wird damit vollends
unberechenbar!”
04.07.2008 Das Welterbekomitee der UNESCO hat auf
seiner gestrigen Sitzung im kanadischen Quebec entschieden,
dem Dresdner Elbtal vorerst den Welterbetitel noch nicht
abzuerkennen und im nächsten Jahr erneut darüber zu
entscheiden. Bedingung für den Titelerhalt sei jedoch, dass
die Stadt den Bau der Brücke stoppt und „der Schaden wieder
gutgemacht wird”.
Dazu erklärt der Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische
Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion Jan Mücke:
„Die UNESCO ignoriert die Realitäten. Die entstandene
Situation hat sie selbst ganz allein zu verantworten, denn
ihr waren bei der Titelverleihung im Jahr 2004 sämtliche
Fakten zur Brücke bis ins kleinste Detail bekannt. Wenn die
UNESCO jetzt fordert, die Stadt möge „den entstandenen
Schaden wieder gut machen” und statt der Brücke einen
Tunnel bauen, zeigt dies, dass man die Situation nicht
begriffen hat und zu Kompromissen offenbar nicht bereit
ist. Mit der nachträglichen Umplanung der Brücke in eine
schlankere filigranere Form hat die Stadt Dresden bereits
den Spielraum ihrer Möglichkeiten im Rahmen des gültigen
Planfeststellungsbeschlusses ausgereizt.
Diese erneute „Nichtentscheidung” belegt die völlige
Unberechenbarkeit der UNESCO. Erst wird die Brücke im
Rahmen der Titelverleihung akzeptiert, ein Jahr später ist
sie plötzlich ein Problem. Später akzeptiert man sie
vielleicht mit Änderungen; im vergangenen Jahr kündigt man
schließlich den sicheren Titelverlust an, wenn irgendeine
Brücke an dieser Stelle gebaut wird. Nach Baubeginn und
sichtbarem Baufortschritt weicht die UNESCO von ihrer Linie
erneut ab, entzieht den Titel noch nicht und fordert
stattdessen den völlig abwegigen Rückbau sowie den Bau
eines Tunnels.
Dresden kann und wird weder das Ergebnis des
Bürgerentscheids von 2005 noch die bereits getätigten
Investitionen in Höhe von mittlerweile ca. 60 Mio. EUR
ignorieren. Ein Tunnel würde zudem Mehrkosten von
mindestens 100 Mio. EUR verursachen; hinzu kämen
Schadenersatzforderungen in noch unbekannter, mindestens
jedoch zweistelliger Millionenhöhe und horrende
Rückbaukosten. Wer angesichts dieser Zahlen und Fakten
ernsthaft fordert, Dresden möge „den Gegnern des
Brückenbaus eine Chance auf Erfolg geben”, so wie es die
UNESCO jetzt tut, handelt verantwortungslos und
demokratiefeindlich. Der geforderte Tunnelbau wäre für
Dresden der sichere Weg in die finanzielle Katastrophe! Die
UNESCO bleibt im Übrigen auch die Antwort auf die Frage
schuldig, mit welchem Recht man einen gültigen
Bürgerentscheid ignorieren und stattdessen den Wünschen
einer Minderheit stattgeben sollte. Dass die Dresdnerinnen
und Dresdner hinter dem Projekt stehen, zeigen nicht
zuletzt auch die aktuellen Wahlergebnisse zur
Oberbürgermeisterwahl, bei der die Parteien, die den
Brückenbau seit Jahren mit allen Mitteln bekämpfen, eine
deutliche Niederlage einstecken mussten.
Völlig abwegig ist zudem die Behauptung, ein Tunnel würde
Natur- und Umweltschutzaspekten besser Rechnung tragen und
die Elbauen schützen. Ein Tunnel wäre eine
Umweltkatastrophe ersten Ranges und würde die Elbwiesen
langfristig zerstören. Darüber hinaus wäre er
verkehrspolitischer Unfug, weil eine optimale
Verkehrsanbindung auf der Neustädter Seite nicht
gewährleistet werden könnte.” |